KI und Depression – wie sie Betroffenen und Therapeuten helfen kann

Die Fälle von Depression haben in Deutschland im Laufe der letzten Jahre zugenommen – insbesondere Jugendlichen sind seit der Corona-Krise stärker betroffen. Doch gleichzeitig hat auch die Stigmatisierung dieser psychischen Erkrankung abgenommen, sodass inzwischen offener darüber geredet wird. Nichtsdestotrotz ist das Thema für Betroffene oft unangenehm und schambehaftet, sodass viele sich nicht bei Ärzten, sondern erstmal online über die Krankheit informieren. Suchmaschinen sind hierbei nach wie vor die erste Anlaufstelle, aber bei betroffenen Jugendlichen folgen direkt darauf Social Media – und KI.
Doch Künstliche Intelligenz ist nicht nur eine Möglichkeit, sich über Depression zu informieren. Sie wird zunehmend zum Gesprächspartner für Betroffene und auch das Interesse der Forschung ist längst geweckt. Erfahren Sie hier, wie KI Menschen mit Depression helfen kann und welche Chancen Forscher für Diagnose und Therapie sehen.
Warum Menschen mit KI über ihre Depression sprechen – und ob es hilft
KI-gestützte Chatbots sind in der Lage, ein Gespräch zu führen, das sehr menschlich klingt, obwohl dahinter lediglich ein Algorithmus steckt. Vielen Menschen fällt es leichter, ihre psychischen Belastungen mit einer Künstlichen Intelligenz zu teilen, weil sie aufmerksam zuhört und nicht wertend ist. Darüber hinaus ist ein Chatbot jederzeit verfügbar, während Therapieplätze in Deutschland oftmals mit einer langen Wartezeit verbunden sind. Der Zugang zur KI ist also niedrigschwellig und flexibel.
Wie künstliche Intelligenz Menschen mit Depression helfen kann
Studien haben gezeigt, dass das Gespräch mit KI-Personen, die eine leichte Depression haben, durchaus unterstützen kann – sei es durch das bloße Mitteilen der belastenden Gedanken oder dass der Chatbot Bewältigungsstrategien anbietet. Laut Deutscher Depressionshilfe brauchten 65 Prozent der Betroffenen (im Jahr 2022) bis zu 30 Monate, um sich professionelle Unterstützung zu suchen. Der Austausch mit einer KI über die eigene Depression kann diese Hemmschwelle möglicherweise senken und Menschen früher ermutigen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen
Das Gespräch mit Künstlicher Intelligenz kann also eine sinnvolle Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz sein, sollte die professionelle Therapie jedoch keinesfalls ersetzen. Denn im Gegensatz zu einem Menschen kann Künstliche Intelligenz die Gefühlswelt der Betroffenen nicht wirklich verstehen und empathisch nachempfinden, sondern sie analysiert Daten und gleicht sie mit ihren Trainingsdaten ab. Das kann zu, aus psychotherapeutischer Sicht, falschen und sogar gefährlich Empfehlungen führen
Wie erkennt Künstliche Intelligenz eine Depression?
Bei Künstlicher Intelligenz handelt es sich um einen komplexen Algorithmus, beispielsweise ein sogenanntes Large Language Model (LLM), das durch Trainingsdaten lernt. Wenn KI eine Depression erkennen soll, wird sie im Vorfeld unter anderem mit realen Diagnosen und den damit verbundenen Informationen gefüttert, um darin Muster zu erkennen, die auf eine Depression hindeuten. So können sich Depressionen zum Beispiel in spezifischen Verhaltens- und Sprachmustern niederschlagen, die von Algorithmen messbar erfasst werden können.
In nationalen und internationalen Studien – unter anderem vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie einem gemeinsamen Forschungsteam der PFH Göttingen und der Hochschule Reutlingen – haben sich einige Methoden herauskristallisiert, wie Künstliche Intelligenz eine Depression identifizieren kann:
- Stimmenanalyse (stimmliche Merkmale wie Sprachmuster, Sprachrhythmus, Tonhöhe und Tonfall)
- Analyse von Textdaten (semantische Muster, Wortwahl, Satzstruktur)
- Emotionserkennung durch Analyse von (flüchtigen) Gesichtsausdrücken (Mikroexpressionen)
- Auswertung elektronischer Gesundheitsdaten
Studien zeigen: KI kann Hilfsmittel zur Diagnose von Depressionen sein
In den zwei genannten Studien haben die Forscher hohe Trefferquoten festgestellt, sodass sie Künstliche Intelligenz als vielversprechendes Hilfsmittel für die Diagnose von Depressionen einstufen. So könnte KI den Diagnoseprozess durch eine automatisierte Voranalyse vorliegender Daten beschleunigen oder in Form von gesprächsbasierten Apps als niedrigschwellige Möglichkeit zur Früherkennung und Prävention dienen. Beide Forschungsteams betonen jedoch, dass KI menschliche Therapeuten nicht ersetzen kann, sondern lediglich als Unterstützung dienen sollte.
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Quellen:
Alhanai, T., Ghassemi, M., Glass, J. (2018): Detecting Depression with Audio/Text Sequence Modeling of Interviews. Massachusetts Institute of Technology; https://sls.csail.mit.edu/publications/2018/Alhanai_Interspeech-2018.pdf (abgerufen am 09.12.2025).
Hadžić, B., Ohse, J., Danner, M., Peperkorn N., Mohammed, P., Shiban, Y., Rätsch, M. (2024): AI-Supported Diagnostic of Depression Using Clinical Interviews: A Pilot Study. Proceedings of the 19th international joint conference on computer vision, imaging and computer graphics theory and applications, Volume 1: GRAPP, HUCAPP and IVAPP. https://publikationen.reutlingen-university.de/frontdoor/deliver/index/docId/4916/file/4916.pdf (abgerufen am 09.12.2025).
Li, H., Zhang, R., Lee, Y.-C., Kraut, R., Mohr D. (2023): Systematic review and meta-analysis of AI-based conversational agents for promoting mental health and well-being. npj Digital Medicine; https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10730549/ (abgerufen am 09.12.2025).
Olawade, D. B., Wada, O. Z.., Odetayo, A., David-Olawade, A. C., Asaolu, F., Eberhardt, J. (2024): Enhancing mental health with artificial intelligence: Current trends and future prospects. Journal of Medicine, Surgery, and Public Health; https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2949916X24000525 (abgerufen am 09.12.2025).
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention (2025): Social Media und Depression. Deutschland-Barometer Depression, https://www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/deutschland-barometer-depression/social-media-und-depression (abgerufen am 09.12.2025).
