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Morbi-RSA

Was ist der Morbi-RSA?

Die Krankenkassen dürfen die Beiträge Ihrer Versicherten nicht direkt behalten, sondern müssen diese zunächst in den Gesundheitsfonds abgeben. In diesen Topf fließen zusätzlich Steuermittel für Zusatzaufgaben der Krankenkassen. Aus dem Gesundheitsfonds mit einem Gesamtvolumen von jährlich über 230 Milliarden Euro erhalten die Krankenkassen die Gelder zur Erfüllung der Aufgaben in Abhängigkeit ihrer Versicherungsstruktur. Umso mehr ältere und kranke Menschen versichert werden, umso mehr Geld bekommt die Kasse. Dadurch soll verhindert werden, dass Kassen mit jungen und gesunden Versicherten besonders günstig sein können und sich auf diese Menschen fokussieren. Dies ist für den solidarischen Auftrag von gesetzlichen Krankenkassen sehr sinnvoll und fairer als bei privaten Versicherungen.

Um die Höhe der jeweiligen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds genau ermitteln zu können, gibt es ein kompliziertes Berechnungssystem über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Als Faustformel gilt: Umso mehr Diagnosen es je Versicherten bei einer Kasse gibt, umso mehr Geld wird zugewiesen. Dies ist einerseits wichtig, um auch Kassen mit vielen kranken Versicherten die nötigen Mittel zur Versorgung bereitzustellen. Andererseits hat sich gezeigt, dass dieser detaillierte Verteilungsmechanismus nicht optimal funktioniert und sich Fehlentwicklungen ergeben, da die Dokumentation von Krankheiten für Krankenkassen lohnenswerter sein kann als sich um die Gesundheit für ihre Versicherten zu kümmern.

Reicht die Basis-Zuweisung für eine Krankenkasse nicht aus, sind Zusatzbeiträge zu erheben. Dies machen zwischenzeitlich alle Kassen. Die unterschiedliche Höhe der Zusatzbeiträge lässt sich dabei nicht mit Wirtschaftlichkeit oder Unwirtschaftlichkeit einer Kasse erklären, sondern ist der sichtbare Ausdruck der Reformbedürftigkeit des Morbi-RSA. Dies wird beispielsweise dadurch deutlich, dass auch Kassen mit unterdurchschnittlichen Verwaltungskosten teilweise überdurchschnittlich hohe Zusatzbeiträge verlangen müssen.

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  • Welche Probleme entstehen durch den Morbi-RSA?

    Wettbewerbsverzerrungen: Seit einigen Jahren zeigt sich, dass durch die Zuweisungssystematik des Morbi-RSA die Schere zwischen Krankenkassen mit Über- und Unterdeckungen deutlich auseinandergeht. Überdeckte Kassen können ihren Mitgliedern günstige Zusatzbeiträge anbieten und Vermögen aufbauen. Auf der anderen Seite weisen Kassen, deren Morbiditätslast überdurchschnittlich stark ansteigt, im Zeitverlauf Unterdeckungen auf. Hierdurch verschlechtert sich die Wettbewerbsposition dieser Krankenkassen.

    Quelle: Eigene Darstellung, Zahlen nach BVA/GKV-SV.
    Zuweisungen für standardisierte Leistungsausgaben zuzüglich DMP (anteilig) laut Jahresausgleichsbescheid.
    Berücksichtigungsfähige Leistungsausgaben abzüglich Zahlungen aufgrund ISCHGKVLV laut Satzart 701.

    Fehlanreize: Durch die vom Morbi-RSA gesetzten Fehlanreize gelingt es aktuell nicht, einen Wettbewerb um die effizienteste Versorgung und Verbesserung der Versorgungsqualität zu schaffen. Stattdessen herrscht ein fast ausschließlicher Preiswettbewerb, um die Zusatzbeiträge zu minimieren. So kam es im Laufe der vergangenen Jahre zu einem

    • Einnahmeoptimierungs-Wettbewerb, indem systematische, kodierbeeinflussende Maßnahmen wie Arztberatung, Arztsoftware, Versorgungsverträge mit einer Vergütung je kodierter Diagnose pauschale Kürzungen der Krankenhausrechnungen vorgenommen werden;
    • Preisdumping-Wettbewerb, indem über das statthafte Kostenmanagement hinaus auf die Leistungserbringer ein enormer Preisdruck ausgeübt wird.

    Präventionsfeindlichkeit: Ein Gutachten des IKK e.V. von 2016 belegt, dass die Durchführung an Präventionsmaßnahmen ein Verlustgeschäft ist. Krankenkassen, die sich an Präventionsmaßnahmen beteiligen, verlieren mehr an Zuweisungen durch den Morbi-RSA, als sie durch geringere Leistungsausgaben aufgrund der wirksamen Präventionsmaßnahmen gewinnen.

  • Welche Reformen sollen beim Morbi-RSA erfolgen?
    • Die Einführung eines Vollmodells würde die Manipulationsanfälligkeit erheblich erhöhen. Daher sollen kostenintensive Krankheiten hier im Vordergrund stehen.
    • Regional unterschiedliche Versorgungs- und Ausgabenstrukturen sollen durch die Einführung einer Regionalkomponente im RSA ausgeglichen werden.
    • Die separaten Zuschläge für Erwerbsminderungsrentner und für in DMP eingeschriebene Versicherte sind durch den direkten Morbiditätsbezug seit 2009 überflüssig.
    • Einführung eines Risikopools (z. B. 80 Prozent Ausgleich oberhalb 100.000 Euro), um Fehlanreize gegen Innovationen abzubauen.
    • Einführung von Interaktionen zwischen Alter und Morbidität, um Fehlzuweisungen bei bestimmten Versichertengruppen zu reduzieren.
    • Versichertenindividuelle Berücksichtigung von Rabatten und Erstattungen.
    • Stärkung von Präventionsanreizen, beispielsweise durch eine finanzielle Förderung der getätigten Präventionsausgaben.
    • Stärkung der Manipulationsresistenz, beispielsweise durch Verschärfung der Aufsichtskontrolle, Eigenverantwortung der Krankenkassen sowie Einführung ambulanter Kodierrichtlinien.

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  • Welche Chancen und Risiken sieht die IKK Südwest beim GKV-FKG Referentenentwurf?

    Im März 2019 hat das Bundesgesundheitsministerium den Referentenentwurf eines Faire-Kassenwahl-Gesetzes (GKV-FKG) vorgelegt. Neben Änderungen der Organisationsstrukturen in der GKV sieht der Entwurf weitreichende Reformpunkte des Morbi-RSA vor.

    Die IKK Südwest bewertet das Gesamtpaket der RSA-Reform als positiv. Wichtig ist, dass alle Punkte des Referentenentwurfs als Gesamtreformpaket umgesetzt werden und im weiteren gesetzgeberischen Verfahren keine einzelnen Inhalte gestrichen werden. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen und Fehlanreize weiter verstärkt werden.

    Die im Referentenentwurf geplanten Änderungen der Organisationsstruktur sieht die IKK Südwest jedoch sehr kritisch. Der Verwaltungsrat der IKK Südwest hat hierzu eine entsprechende Resolution verabschiedet, die Sie in der Resolution zum Faire-Kassenwahl-Gesetz nachlesen können.

    Weitere Informationen sowie die Stellungnahme der Innungskrankenkassen finden Sie auf der Internetseite des IKK e.V.

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