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Morbi-RSA

Was ist der Morbi-RSA?

Die Krankenkassen dürfen die Beiträge Ihrer Versicherten nicht direkt behalten, sondern müssen diese zunächst in den Gesundheitsfonds abgeben. In diesen Topf fließen zusätzlich Steuermittel für Zusatzaufgaben der Krankenkassen. Aus dem Gesundheitsfonds mit einem Gesamtvolumen von jährlich über 240 Milliarden Euro erhalten die Krankenkassen die Gelder zur Erfüllung der Aufgaben in Abhängigkeit ihrer Versicherungsstruktur. Umso mehr ältere und kranke Menschen versichert werden, umso mehr Geld bekommt die Kasse. Dadurch soll verhindert werden, dass Kassen mit jungen und gesunden Versicherten besonders günstig sein können und sich auf diese Menschen fokussieren. Dies ist für den solidarischen Auftrag von gesetzlichen Krankenkassen sehr sinnvoll und fairer als bei privaten Versicherungen.

Um die Höhe der jeweiligen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds genau ermitteln zu können, gibt es ein kompliziertes Berechnungssystem über den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA). Als Faustformel gilt: Umso mehr Diagnosen es je Versicherten bei einer Kasse gibt, umso mehr Geld wird zugewiesen. Dies ist einerseits wichtig, um auch Kassen mit vielen kranken Versicherten die nötigen Mittel zur Versorgung bereitzustellen. Andererseits hat sich gezeigt, dass dieser detaillierte Verteilungsmechanismus nicht optimal funktioniert und sich Fehlentwicklungen ergeben, da die Dokumentation von Krankheiten für Krankenkassen lohnenswerter sein kann als sich um die Gesundheit für ihre Versicherten zu kümmern.

Reicht die Basis-Zuweisung für eine Krankenkasse nicht aus, sind Zusatzbeiträge zu erheben. Dies machen zwischenzeitlich nahezu alle Kassen. Die unterschiedliche Höhe der Zusatzbeiträge lässt sich dabei nicht mit Wirtschaftlichkeit oder Unwirtschaftlichkeit einer Kasse erklären, sondern ist der sichtbare Ausdruck der Reformbedürftigkeit des Morbi-RSA. Dies wird beispielsweise dadurch deutlich, dass auch Kassen mit unterdurchschnittlichen Verwaltungskosten teilweise überdurchschnittlich hohe Zusatzbeiträge verlangen müssen.

Bitte hier klicken, um die Grafik Gesundheitsfonds und Krankenkassen zu vergrößern.

Welche Chancen und Risiken sieht die IKK Südwest bei der RSA-Reform 2021?

Ende März 2020 trat das Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) in Kraft. Neben Änderungen der Organisationsstrukturen in der GKV sieht das Gesetz weitreichende Reformpunkte des Morbi-RSA vor.

Die IKK Südwest bewertet das Gesamtpaket der RSA-Reform als positiv:

  • Die Regionalkomponente ist dazu geeignet, Wettbewerbsverzerrungen aufgrund regionaler Vor- und Nachteile zu beseitigen. Zukünftig sollten jedoch auch regionale Angebotsstrukturen aufgegriffen werden, sofern sie von den Krankenkassen nicht steuerbar sind.
  • Die Streichung des Sonderzuschlags für Versicherte mit Erwerbsminderung ist sachgerecht, da seit 2009 mithilfe von Diagnose- und Arzneimitteldaten eine direkte Morbiditätsberücksichtigung stattfindet.
  • Die Einführung des Risikopools baut Anreize gegen Innovationen ab.
  • Die vorgesehene Präventionspauschale ist ein erster Schritt, Präventionsanreize zu stärken. Leider bleiben Maßnahmen zur individuellen Krankheitsvermeidung unberücksichtigt. Hier besteht zukünftiger Anpassungsbedarf.
  • Das Vollmodell birgt hingegen die Gefahr weiterer Manipulationsbemühungen. Hier sind die flankierenden Maßnahmen zur Stärkung der Manipulationsresistenz, beispielsweise die Manipulationsbremse, die Verschärfung der Aufsichtskontrolle oder auch die Einführung ambulanter Kodierrichtlinien zentrale Voraussetzungen.

Neben den Reformpunkten des GKV-FKG setzt sich die IKK Südwest für bedarfsgerechte, länderspezifische Zuweisungen für Auslandsversicherte ein. Das kürzlich vorgelegte Folgegutachten macht hierfür einen sehr guten Reformvorschlag. Wir unterstützen ausdrücklich die Umsetzung des Gutachtermodells zum Ausgleichsjahr 2022.

Weitere Informationen sowie die Stellungnahme der Innungskrankenkassen finden Sie auf der Internetseite des IKK e.V.

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