PMOS: Mehr als ein Zyklusproblem

Eine Person zupft sich mit einer Pinzette Haare am Kinn, während sie in einen kleinen runden Spiegel schaut.

Unregelmäßige Zyklen, Akne, stärkere Körperbehaarung oder dünner werdendes Kopfhaar: Solche Beschwerden können viele Ursachen haben. Treten mehrere davon gemeinsam auf, kann eine hormonelle und stoffwechselbezogene Erkrankung dahinterstecken, die viele noch als PCOS – Polyzystisches Ovarialsyndrom kennen.

Seit 2026 wird international zunehmend die neue Bezeichnung PMOS – Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom verwendet. Der neue Name soll deutlicher machen, worum es bei der Erkrankung tatsächlich geht: nicht nur um die Eierstöcke und schon gar nicht nur um „Zysten“, sondern um ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen, Eierstockfunktion und Stoffwechsel.

Warum aus PCOS jetzt PMOS wird

Der bisherige Name PCOS konnte leicht in die Irre führen. Denn längst nicht jede betroffene Frau hat im Ultraschall die typischen Veränderungen an den Eierstöcken. Außerdem handelt es sich bei den dort sichtbaren Strukturen meist nicht um klassische Zysten, sondern um kleine Eibläschen, sogenannte Follikel.

Die neue internationale Bezeichnung Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom trägt dem heutigen Wissensstand besser Rechnung. Sie betont, dass verschiedene Hormonsysteme und häufig auch der Stoffwechsel beteiligt sind.

Wichtig für Frauen, bei denen bereits PCOS diagnostiziert wurde: Die neue Bezeichnung bedeutet nicht, dass die bisherige Diagnose falsch war. Es handelt sich vor allem um eine neue Einordnung und Benennung der Erkrankung. Die bekannten diagnostischen Merkmale bleiben grundsätzlich bestehen.

Was passiert bei PMOS im Körper?

PMOS kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Besonders drei Bereiche spielen eine Rolle: Androgene, Eisprung und Zyklus sowie Insulin und Stoffwechsel.
Androgene wie Testosteron werden oft als „männliche Hormone“ bezeichnet. Tatsächlich kommen sie selbstverständlich auch im weiblichen Körper vor.
Bei PMOS können die Androgenspiegel erhöht sein oder ihre Wirkung kann stärker sichtbar werden. Mögliche Folgen sind:

  • Akne,
  • verstärkte Gesichts- oder Körperbehaarung,
  • dünner werdendes Kopfhaar.

Diese Veränderungen müssen jedoch nicht bei jeder Betroffenen auftreten.

Bei manchen Frauen mit PMOS reifen Eizellen unregelmäßig heran. Eisprünge können seltener stattfinden oder zeitweise ausbleiben. Dadurch können Menstruationszyklen länger und unregelmäßiger werden oder ganz ausbleiben.

Deshalb wird PMOS häufig im Zusammenhang mit Kinderwunsch entdeckt. Die Erkrankung darauf zu reduzieren, greift allerdings zu kurz. Veränderungen des Zyklus sind nur ein Teil des Gesamtbildes.

Der weniger bekannte Teil: PMOS und Stoffwechsel

Dass heute das Wort „metabolisch“ im Namen steht, ist besonders wichtig. Denn ein wesentlicher Teil der Erkrankung kann sich im Stoffwechsel abspielen.

Im Mittelpunkt steht häufig das Hormon Insulin. Es hilft dem Körper dabei, Zucker aus dem Blut in die Zellen aufzunehmen. Bei einer sogenannten Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich darauf. Der Körper kann deshalb mehr Insulin produzieren.

Erhöhte Insulinspiegel wiederum können andere hormonelle Prozesse beeinflussen – unter anderem die Produktion von Androgenen und die Funktion der Eierstöcke.

Nicht jede Frau mit PMOS hat eine ausgeprägte Insulinresistenz. Trotzdem weisen Studien und Leitlinien darauf hin, dass Frauen mit PMOS häufiger Veränderungen des Zuckerstoffwechsels und ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben. Auch Blutdruck und Blutfette können eine Rolle spielen.

Wichtig dabei: Ein erhöhtes statistisches Risiko bedeutet nicht, dass eine bestimmte Erkrankung zwangsläufig entsteht.

Es gibt nicht die eine typische Frau mit PMOS

PMOS ist ein Syndrom. Das bedeutet: Mehrere unterschiedliche Merkmale können gemeinsam auftreten, aber nicht jede Betroffene weist dieselbe Kombination auf.

Eine Frau bemerkt vielleicht vor allem ihren unregelmäßigen Zyklus. Eine andere hat stärkere Haut- oder Haarveränderungen. Bei einer dritten stehen Stoffwechselveränderungen im Vordergrund.

Auch das Körpergewicht erlaubt keine zuverlässige Aussage darüber, ob PMOS vorliegt. Frauen mit Normalgewicht können ebenso betroffen sein.

Zu den möglichen Merkmalen gehören:

  • unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationszyklen,
  • seltene oder ausbleibende Eisprünge,
  • Akne,
  • stärkere Gesichts- oder Körperbehaarung,
  • hormonell beeinflusster Haarausfall,
  • Veränderungen des Zucker- oder Fettstoffwechsels.

Ein einzelnes Symptom bedeutet allerdings nicht automatisch PMOS. Akne, Zyklusveränderungen oder Haarausfall können zahlreiche andere Ursachen haben.

Wie wird PMOS festgestellt?

Einen einzelnen Blutwert oder Test, der PMOS zweifelsfrei nachweist, gibt es nicht.

Bei erwachsenen Frauen basiert die Diagnose weiterhin auf mehreren möglichen Merkmalen. Dazu gehören:

  • Hinweise auf einen Androgenüberschuss,
  • seltene oder ausbleibende Eisprünge,
  • eine typische Struktur der Eierstöcke im Ultraschall beziehungsweise unter bestimmten Voraussetzungen ein erhöhter AMH-Wert.

Dabei müssen andere mögliche Ursachen für die Beschwerden, wie Schilddrüsenerkrankungen oder andere hormonelle Veränderungen, ausgeschlossen werden.

Gerade deshalb ist es wichtig, einzelne Beschwerden nicht vorschnell selbst als PMOS einzuordnen.

PMOS betrifft nicht nur junge Frauen

PMOS wird häufig als Erkrankung junger Frauen wahrgenommen – nicht zuletzt, weil es oft im Zusammenhang mit Menstruation oder Kinderwunsch thematisiert wird.

Tatsächlich können sich Beschwerden und gesundheitliche Bedeutung jedoch im Laufe des Lebens verändern.

Mit zunehmendem Alter können Zyklen regelmäßiger werden oder bestimmte hormonelle Symptome weniger ausgeprägt sein. Später rücken teilweise andere Aspekte stärker in den Vordergrund – beispielsweise Stoffwechsel, Blutdruck oder Blutzucker.

Auch mit der Menopause verschwindet die gesundheitliche Bedeutung von PMOS deshalb nicht automatisch. Gerade bei Frauen, die bereits früher entsprechende Beschwerden oder eine Diagnose hatten, kann die Vorgeschichte weiterhin relevant sein.

Ein neuer Name verändert auch den Blick auf die Erkrankung

Die Umbenennung von PCOS in PMOS macht einen entscheidenden Punkt deutlich: Es geht nicht ausschließlich um die Eierstöcke, nicht nur um den Menstruationszyklus und auch nicht nur um Kinderwunsch.

PMOS ist eine hormonelle und metabolische Erkrankung mit sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen.

Das kann zunächst komplex klingen. Gleichzeitig eröffnet dieser umfassendere Blick Chancen: Beschwerden können individueller betrachtet werden und neben Zyklus und Hormonen können auch Stoffwechsel, Lebensphase und persönliche Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Je besser PMOS verstanden wird, desto weniger muss eine Betroffene in ein vermeintlich „typisches“ Krankheitsbild passen.

Eine Frau sitzt an einem Holztisch und lächelt, während sie mit ihrem Smartphone telefoniert.

Beratungs-Hotline Frauengesundheit

Sie haben Fragen zu Ihrer Gesundheit? Wir helfen Ihnen dabei, Symptome und Beschwerden besser einzuordnen und passende Versorgungsangebote zu finden.

Wir sind Montag bis Donnerstag von 07.30 bis 18.00 Uhr und
Freitag von 07.30 bis 17.00 Uhr für Sie da.

Das könnte Sie auch interessieren: