„Frühzeitig Hilfe suchen!“
Zwei Pflegeberater im Gespräch
In diesem Interview sprechen wir mit Pflegeberatern aus Pflegestützpunkten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Frau Grommes ist Pflegeberaterin im Pflegestützpunkt Trier und Herr Groß, Pflegeberater im Pflegestützpunkt Merzig-Wadern. Beide teilen ihre Erfahrungen mit Angehörigen und geben wertvolle Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Sie erläutern, wie und wo man frühzeitig Hilfe suchen kann, um die Pflege zu bewältigen. Dabei geben sie nützliche Tipps, um die damit verbundenen Hürden zu meistern.
Welche Fragen stellen die Angehörigen am Häufigsten?
Frau Grommes:
„Momentan wird am Häufigsten nach den Versorgungsmöglichkeiten für zu Hause gefragt, insbesondere, wenn Pflegebedürftige nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Reha nach Hause kommen. Dann muss die Pflege zu Hause organisiert werden, um einen Heimaufenthalt zu vermeiden.“
Welcher erste Schritt hilft am meisten, wenn man plötzlich Pflege beantragen muss?
Herr Groß:
„Es ist wichtig, bei einer plötzlichen Pflegebedürftigkeit den Kontakt zu den entsprechenden Stellen sofort aufzunehmen – in erster Linie zur Pflegekasse, damit der Antrag gestellt und die Begutachtung eingeleitet werden kann. Ebenso sinnvoll ist es, den Pflegestützpunkt einzubeziehen, um die Situation richtig einschätzen und notwendige Unterstützungsangebote frühzeitig zu organisieren.“
Welche Hindernisse erleben Sie häufig, die Angehörige vermeiden sollten?
Frau Grommes:
„Ein häufiger Fehler ist, dass sich Angehörige erst dann bei uns melden, wenn die Situation schon überhandgenommen hat. Oft merken sie erst spät, dass ihre eigenen Kräfte und Ressourcen erschöpft sind, und dann wird Hilfe gesucht. Dieser Fehler lässt sich vermeiden, wenn man sich rechtzeitig informiert, auch wenn die Pflege noch nicht unmittelbar notwendig ist. So zeigen wir Wege auf, wie man sich selbst entlasten kann.“
Welche gesetzlichen Änderungen sind aktuell besonders relevant?
Frau Grommes:
„Seit dem 1. Juli 2025 entfällt die Vorpflegezeit von sechs Monaten, die pflegende Angehörige bisher nachweisen mussten, bevor sie Pflegeleistungen, wie Verhinderungspflege, beanspruchen konnten. Das bedeutet, dass Angehörige nicht mehr belegen müssen, dass sie bereits Pflegetätigkeiten erbracht haben, um Zugang zu Hilfen zu erhalten. Zudem wurden die Jahresbeträge für Ersatz- und Kurzzeitpflege zusammengelegt. Pflegebedürftige können diese nun flexibler nutzen, mit einem maximalen Betrag von 3.539 Euro.“
Worauf sollten Pflegebedürftige und Angehörige in den kommenden Monaten besonders achten?
Frau Grommes:
„Da der Winter bereits begonnen hat, sollten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen besonders den Impfstatus im Blick behalten und sicherstellen, dass alle wichtigen Impfungen aktuell sind. Außerdem ist es ratsam, die finanziellen Ansprüche zu prüfen und rechtzeitig Unterstützung zu organisieren, um den Winter mit den damit verbundenen zusätzlichen Belastungen besser bewältigen zu können.“
Welche Unterstützung bietet der Pflegestützpunkt konkret an?
Herr Groß:
„Wir unterstützen die Pflegebedürftigen und deren Angehörige, angefangen bei der Antragstellung über die Besprechung von Gutachten bis hin zu täglichen Fragen zur Pflegeversicherung. Wir bieten eine umfassende Beratung, um den richtigen Weg in der Pflege zu finden.“
Was motiviert Sie persönlich in Ihrer täglichen Arbeit als Pflegeberater?
Herr Groß:
„Ich freue mich, täglich Menschen in ihren schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Keine Beratung gleicht der anderen – diese Abwechslung und die Möglichkeit, zu helfen, machen meine Arbeit sehr erfüllend.“
Gibt es ein Erlebnis aus der Beratung, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Frau Grommes:
„In meinem Arbeitsalltag gibt es viele besondere Erlebnisse, zum Beispiel bei stark verwahrlosten Personen oder sogenannten Messi-Haushalten. Deshalb gibt es für mich nicht den einen Fall, sondern jeder ist auf seine Weise einzigartig. Man weiß nie genau, was einen erwartet, wenn man in einen Haushalt kommt. Besonders schön sind die dankbaren und sehr liebevollen Rückmeldungen der Betroffenen. Das bestärkt mich immer wieder, dranzubleiben, egal wie kompliziert oder schwer ein Fall auch sein mag.“
Herr Groß:
„Seit meiner fast fünfjährigen Tätigkeit als Pflegeberater im Pflegestützpunkt Merzig-Wadern habe ich viele besondere Erlebnisse gehabt. Für mich ist es nicht der eine Fall, der im Gedächtnis bleibt, sondern die Vielfalt der Erlebnisse, die diese Arbeit so bereichernd machen.“
Fazit: Praktische Tipps für die Pflegeplanung
Frühzeitige Hilfe und Beratung sind entscheidend, um die Pflegebedürftigkeit effektiv zu bewältigen. Hier sind einige konkrete Schritte, die Sie jetzt unternehmen können:
Frühzeitig informieren und beraten lassen: Wenden Sie sich an Ihren Pflegestützpunkt oder Ihre Pflegekasse, um Ihre Optionen zu besprechen und den passenden Pflegeplan zu erstellen.
Nutzung gesetzlicher Regelungen: Achten Sie auf aktuelle Änderungen, wie die flexiblere Nutzung von Kurzzeit- und Verhinderungspflegeleistungen. Nutzen Sie alle Ihnen zustehenden Leistungen.
Impfstatus und gesundheitliche Vorsorge: Überprüfen Sie regelmäßig den Impfstatus und stellen Sie sicher, dass alle wichtigen Impfungen aktuell sind.
Finanzielle Ansprüche und Unterstützung: Prüfen Sie Ihre finanziellen Ansprüche und beantragen Sie rechtzeitig die benötigte Unterstützung, um die Belastungen zu minimieren.
Jetzt handeln: Kontaktieren Sie direkt Ihren Pflegestützpunkt oder die Pflegekasse, um rechtzeitig die notwendigen Schritte zu gehen und so für den Pflegebedarf gut vorbereitet zu sein.