Künstliche Intelligenz in der Radiologie

In Deutschland werden jährlich rund 1,4 Millionen CT-Untersuchungen des Brustraums durchgeführt. Allein hierbei entstehen über 500 Millionen Einzelbilder, die alle analysiert und ausgewertet werden müssen – eine gewaltige Arbeitslast für Radiologinnen und Radiologen, die unter Zeit- und Leistungsdruck stehen. Hier kann innovative Technologie wertvolle Unterstützung leisten, denn die Stärken Künstlicher Intelligenz liegen darin, großen Datenmengen systematisch zu verarbeiten und Muster zu erkennen. Speziell trainierte KI-Systeme können Radiologen also bei der Sichtung von CT-, MRT- und Röntgenbildern unterstützen und es ihnen ermöglichen, schneller und präziser zu diagnostizieren.
Die IKK Südwest hat erkannt, was für eine große Hilfe Künstliche Intelligenz (KI) in der Radiologie sein kann, und setzt als erste Krankenkrasse Europas auf KI bei der Diagnose von Lungenkrebs. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Vorteile der Einsatz von KI in der Radiologie haben kann.
Hinweis
Die etablierten medizinischen KI-Systeme sind mit Trainingsdaten erwachsener Patienten geschult. Deswegen können sie nicht in der Kinderradiologie eingesetzt werden. Für das Training sind Befunde von Patienten im Kindesalter notwendig.
Welche Vorteile bietet Künstliche Intelligenz in der Radiologie für Patienten?
Künstliche Intelligenz kann in der Radiologie eine große Unterstützung für Fachärzte sein und als medizinische Entscheidungshilfe fungieren. Denn sie lernt anhand realer, menschlich erstellter Befunde, Abweichungen zu erkennen und sie mit Biomarkern – wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen – zu verknüpfen. Doch auch im administrativen Bereich sorgt sie für Entlastung: beim Terminmanagement, der Untersuchungsplanung oder der Befundkommunikation.
Die Vorteile von KI in der Radiologie:
- Höhere Diagnosesicherheit: KI markiert auffällige Stellen, die anschließend vom Radiologen genauer geprüft werden. So werden Flüchtigkeitsfehler und übersehene Befunde trotz Zeitdruck vermieden.
- Bessere Früherkennung: KI ist hochsensitiv, das heißt, sie erkennt selbst winzige Veränderungen, die für das menschliche Auge kaum sichtbar sind, durch den KI-Hinweis jedoch früher untersucht werden können.
- Vermeidung von Fehlinterpretationen: KI sorgt für eine doppelte Prüfung der Bilddaten, während Radiologen jeden KI-Befund mit Erfahrung und Sachverstand überprüfen. Die Zahl der falsch-positiven und falsch-negativen Diagnosen sinkt.
- Beschleunigte Untersuchungen: Durch leistungsfähige KI-Rechentools können Untersuchungen wie beispielsweise Knie-MRTs um bis zu 50 Prozent verkürzt werden – und das bei besserer Bildqualität.
- Schnellere Diagnosen: KI verarbeitet große Datenmengen binnen weniger Minuten und kann Fälle anhand relevanter Biomarker priorisieren
- Mehr Zeit für persönliche Betreuung: Durch die Entlastung können Ärzte sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: ihre Patienten. Sie haben mehr Zeit für Gespräche und Untersuchungen und sorgen für ein besseres Gefühl bei den Patienten
- Verbesserte Gesundheitsversorgung: Künstliche Intelligenz kommt auch administrativ zum Einsatz, beispielsweise bei der Terminplanung oder der Behandlungsdokumentation. Das sorgt für bessere Koordination, schnellere Prozesse und kürzere Wartezeiten.
Warum überhaupt KI einsetzen? Herausforderungen in der Radiologie
Bei Krebserkrankungen spielt die Früherkennung eine entscheidende Rolle. Je früher die Krankheit präzise diagnostiziert und therapiert werden kann, desto höher sind die Überlebenschancen für die Patienten. Doch Radiologen müssen jeden Tag Unmengen an Bilddaten auswerten, was sehr zeitintensiv ist. Hinzu kommt, dass im Laufe einer Schicht die Konzentration nachlassen kann – und Fehlinterpretationen können Menschenleben kosten. Darüber hinaus herrscht ein massiver Fachkräftemangel, während kaum neue Radiologen nachkommen, wodurch sich die Arbeitslast bereits praktizierender Ärzte nochmals erhöht. Es ist also dringend an der Zeit, dieses überstrapazierte System zu entlasten und so die Versorgungsqualität zu verbessern.
Die Radiologie ist prädestiniert für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, da alle relevanten Daten, die bei der Bildakquisition gesammelt werden – also Röntgenbilder sowie CT- und MRT-Scans –, bereits seit Jahren digitalisiert werden. Dadurch liegt in der Radiologie ein großer Datenschatz vor, mit dem man KI trainieren kann.
Wie verbessert Künstliche Intelligenz die Diagnosegenauigkeit in der Radiologie?
Künstliche Intelligenz kann Musteranalysen sowie Texturanalysen durchführen, da sie mit realen Befunden trainiert wurde. Dabei entdeckt sie verborgene Muster sowie winzige Veränderungen im Zeitverlauf und gleicht Texturen in den Bilddaten mit ihren Trainingsdaten ab. Nach ihrer Analyse markiert sie Auffälligkeiten in den Bildern, sodass Ärzte diese Stellen nochmals genauer prüfen können. Dadurch ist es beispielsweise möglich, sogenannte Intervallkarzinome (= Karzinome, die zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen entstehen), schneller zu entdecken, indem sie die früheren mit den aktuellen Bilddaten vergleicht und auf Veränderungen hinweist.
Eines ist besonders wichtig: Künstliche Intelligenz trifft keine Entscheidungen. Sie ist ein Werkzeug für Radiologen und dient als medizinische Entscheidungshilfe. Jeder KI-Befund wird von Fachärzten geprüft. KI ist in der Radiologie also kein Ersatz, sondern eine Unterstützung und Entlastung für medizinisches Fachpersonal. Die Geschwindigkeit und Präzision von Künstlicher Intelligenz kombiniert mit der menschlichen Komponente, der Expertise erfahrener Radiologen ergibt so etwas wie eine „diagnostische Superpower“.
Kurzgesagt: KI hilft,
- Bilddaten gezielter zu analysieren
- Keine Auffälligkeiten zu übersehen und
- Radiologen beim Diagnostizieren effektiv zu unterstützen
- ohne medizinisches Fachpersonal zu ersetzen.
Vorreiter IKK Südwest: KI in der Radiologie & Lungenkrebsdiagnostik
Als erste Krankenkasse in Europa setzt die IKK Südwest auf KI in der Lungenkrebsdiagnostik. Gemeinsam mit dem HealthTech-Unternehmen contextflow möchten wir Radiologen entlasten und zu einer deutlich schnelleren und präziseren Diagnostik verhelfen – das Ziel: eine höhere Patientensicherheit und Diagnosequalität.
Hinweis
Die KI-gestützte Software von contextflow ist im Rahmen der besonderen Versorgung (§ 140a SGB V) für Versicherte ab 18 Jahren und bislang nur in radiologischen Praxen der Xcare Gruppe im Saarland verfügbar. Voraussetzung ist eine ärztliche Überweisung für eine CT-Untersuchung des Thorax.
Häufige Fragen zu Künstlicher Intelligenz in der Radiologie
Wird Künstliche Intelligenz (KI) Radiologen ersetzen?
Nein. Künstliche Intelligenz wird in der Radiologie als medizinische Entscheidungshilfe eingesetzt, doch das letzte Wort hat immer der Mensch – gerade in einem so sensiblen Bereich wie dem Gesundheitswesen. KI ist lediglich ein Werkzeug, das Radiologen bei der Sichtung der diagnostischen Bilddaten, der Einordnung von Befunden und der Diagnostik unterstützen soll. Sie hilft unter anderem, Auffälligkeiten schneller zu entdecken und genauer zu prüfen. Doch KI-gestützte Software kann Röntgenbilder oder CT- sowie MRT-Scans nur mit den ihr bekannten Trainingsdaten abgleichen. Ein versierter Radiologe hingegen kennt Spezialfälle und schöpft aus jahrelanger Erfahrung. Deswegen spielt der menschliche Faktor eine so große Rolle.
Welchen Einfluss hat Künstliche Intelligenz auf die Effizienz und Kosten in der Radiologie?
Der Einsatz von KI in der Radiologie sorgt für eine erhebliche Steigerung der Effizienz, weil:
- KI binnen weniger Minuten große Datenmengen verarbeiten kann.
- Radiologen in kürzester Zeit eine erste Analyse vorliegender Bilddaten erhalten.
- Ärzte die Bilddaten anhand einer ersten KI-Auswertung deutlich gezielter analysieren und bewerten können.
- die Zeitersparnis dafür sorgt, dass Radiologen sich stärker auf die persönliche Betreuung ihrer Patienten konzentrieren können.
- Patienten konzentrieren können.
Darüber hinaus kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, dass die Kosten in der Radiologie spürbar sinken. Ein Großteil der Kosten bei Krebsdiagnosen entsteht stationär, wie auch die Daten der IKK Südwest bestätigen. Falsch-positive oder falsch-negative Diagnosen verursachen vermeidbare Folgekosten. Wenn diese Fehldiagnosen durch die Nutzung von KI in der Radiologie verringert werden und Therapien früher begonnen werden können, könnten die Kosten pro Patient signifikant sinken.
Welche Rolle spielt KI in der Früherkennung von Krebs?
Die Stärke von KI ist es, große Datenmengen in kurzer Zeit zu verarbeiten und darin verborgene Muster zu erkennen. Künstliche Intelligenz kann in der Radiologie kleinste Veränderungen im Gewebe identifizieren, die für das menschliche Auge kaum sichtbar sind. Dadurch ist es möglich, potenzielle Krebserkrankungen deutlich früher zu erkennen und zu behandeln, was die Heilungschancen deutlich verbessert. Auch sogenannte Intervallkarzinome, die zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen entstehen, können früher entdeckt werden, indem KI frühere und aktuelle Bilder abgleicht und auf winzige Gewebeveränderungen hinweist. Künstliche Intelligenz leistet also einen wichtigen Beitrag für eine erfolgreiche Früherkennung von Krebs.
Welche Daten nutzt Künstliche Intelligenz zur Bilderkennung?
Die KI-Software von contextflow, die die IKK Südwest ihren Versicherten anbietet, greift auf eine riesige Menge an Trainingsdaten zurück, die aus einer Vielzahl von früheren Untersuchungen stammen. Auf diese Weise wird der KI umfassendes medizinisches Wissen aus echten Fällen zur Verfügung gestellt. Bei einem realen Einsatz in der Radiologie gleicht die Künstliche Intelligenz das vorliegende Bildmaterial mit diesen Daten ab, um Übereinstimmungen zu finden und Muster zu erkennen.
Kann KI MRT-Bilder auswerten?
Ja. Künstliche Intelligenz kann die Daten aus den gängigen bildgebenden Verfahren analysieren und auswerten, dazu zählen neben MRT-Bildern auch Röntgenaufnahmen und CT-Scans.
Podcast: Experten im Gespräch bezüglich KI in der Gesundheitsversorgung
Sie möchten mehr über KI im Gesundheitswesen erfahren? Unser Health-Innovation Manager Dr. Florian Brandt sowie Dr. Florian Jungmann informieren Sie ausführlich über die künstliche Intelligenz in unserer Gesundheitsversorgung.
Quellen:
https://www.presseportal.de/pm/117516/6050977
https://badw.de/fileadmin/pub/akademieAktuell/2024/84/Akademie_Aktuell_2024_03_26_Jungmann.pdf
P. 3
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11422457/#Sec3
https://healthcare-in-europe.com/de/news/ki-radiologie-hindernisse.html
https://quibim.com/de/news/ai-in-radiology/
https://www.radiologienetz.de/curacompact-blog/was-kann-ki-im-terminmanagement-leisten
https://contextflow.com/wp-content/uploads/2025/07/RadiologyAI_Brandtetal_WdG032025.pdf
